„Zukunft wird aus Mut gemacht…“

„Zukunft wird aus Mut gemacht…“

…Mit diesem Satz eröffnet das Zeit Magazin die Ausgabe vom 07. Dezember 2020. Irgendwie hat das was in mir ausgelöst, sozusagen einen kreativen Nerv getroffen. Generell finde ich dieses Magazin von Anfang an so spannend, dass ich mit dem Gedanken spiele das Cover auf meiner Instagram Story hochzuladen und das will was heißen. „Ich baue mir die Welt wie sie mir gefällt“ steht da auf dem Cover. Das passt sehr gut zu meiner momentanen Situation. Irgendwie stecke ich gerade in einer Phase ohne Perspektive und komme überraschend gut damit zurecht. Dabei klingt „ohne Perspektive“ so negativ, ist es eigentlich auch. Ich habe gerne einen Plan, habe gerne ab dem und dem Moment eine sichere Zukunft vor mir und bewege mich am liebsten auf etwas zu. Aber zur Zeit ist das nicht der Fall. Zur Zeit bewege ich mich auf gar nichts zu, hänge in der Luft und weiß an dem einen Tag was ich will, an dem anderen wieder nicht. Normalerweise würde mich diese Situation wahnsinnig machen, mich in verkopfte Nischen meiner selbst manövrieren. Corona macht das Ganze nicht unbedingt einfacher. Und überhaupt, was ist heutzutage schon normal. Ich setze mich jeden Morgen voller Tatendrang an den Schreibtisch, formuliere Bewerbungen, schicke diese raus und bekomme zu 99% die Antwort, „dass mein Anschreiben sehr interessant klingt, aber momentan keiner im Büro wäre der mich einarbeiten könnte und somit derzeit niemand eingestellt werden kann.“ Dann eben nicht.

Dennoch gehe ich erstaunlich positiv mit meiner derzeitigen Lage um und das „erstaunlich“ meine ich durchaus ernst. Mich erstaunt meine ausgeglichene Stimmung. Hier möchte ich auf die oben genannte „fehlende Perspektive“ und die damit verbundene Unsicherheit zurückkommen. Denn diese Unsicherheit bleibt gerade – erstaunlicherweise – aus. Ich absolviere jeden Tag mein Training, ich formuliere den ein oder anderen Gedanken auf diesem Blog oder im Gespräch mit meinen Liebsten oder mit mir selbst. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit habe ich das Gefühl mich wirklich mit mir und mit meiner Situation auseinandersetzen zu können und Zeit für mich zu haben. Ich war die letzten vier Jahre immer getrieben von meinen To Do’s die ich mir teilweise selbst gesetzt hatte. Immer ging es darum etwas abzuhaken, etwas zu leisten, irgendetwas gut zu machen. Ich erlaubte mir selbst keinen Stillstand und wurde dadurch immer unglücklicher, unbewusst. Entweder gab es die Uni, das Training, Wettkämpfe oder die Arbeit und Freunde, Familie, meine Beziehung. Meine liebgewonnenen Alltagsinhalte wurden mir zu viel. Die Zeit in Bamberg war bestimmt mitunter die Schönste meines Lebens. Ich war aufgeräumt, hatte einen Weg vor mir , wusste was zu tun war. Vor allem hatte ich ein zuhause gefunden, einen Partner, Freunde fürs Leben. Aber jetzt im Nachhinein bemerke ich, wie eingeengt ich ab und an gewesen bin. Und ich hinterfrage das ein oder andere nach vier Jahren zum ersten Mal.

Jetzt wohne ich seit gut zwei Monaten wieder in München und bin seit 5 Wochen arbeitslos und das ist okay. Ich habe (noch) keinen (richtigen) Plan, aber auch das ist okay. Denn so gerne ich alles unter Kontrolle habe, so wenig Freiheit gibt mir das. Vielleicht ist es genau das Richtige einfach mal alles laufen zu lassen, die Dinge sich selbst entwickeln zu lassen, die Zukunft auf mich zukommen zu lassen. Es kommt alles wie es kommen soll. Wäre da nicht der finanzielle Aspekt könnte ich das durchaus ein bisschen aushalten, denn ich habe niemals nichts zu tun. Ich beschäftige mich mit der Zukunft, mit den Dingen die mir wichtig sind und setze mich mit mir auseinander. Ich fahre in die Berge, ich verweile in Tagträumen wenn ich will, ich gehe spazieren, ich trinke Kaffee mit Freunden, ich treffe meine Mama oder meinen Papa unter der Woche, ich besuche meinen Freund für ein paar Tage, ich telefoniere mit meinem besten Freund, wenn mir danach ist, ich schaue mit meiner Schwester Harry Potter, weil ich Lust und Zeit dafür habe. Ich mache, ich tue, ich bin. „Ich gestalte mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Und wenn es so weit ist und die richtige Aufgabe ansteht bin ich bereit dafür, da habe ich keinen Zweifel.